Pressemitteilung

30 Prozent Führungsfrauen kein Grund zum Zurücklehnen

14. Oktober 2020 - Pressemitteilung

Potsdam, 14.10.2020

Die Landesvorsitzende der FDP Brandenburg Linda Teuteberg MdB schrieb für die Superillu den folgenden Gastbeitrag: Superillu

Brandenburg hat die meisten Frauen in Führungspositionen

Von Linda Teuteberg* 

Als Brandenburgerin freue ich mich, dass gerade mein Bundesland den höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen in Unternehmen verzeichnet. Auch die anderen gar nicht so „neuen“ Bundesländer schneiden relativ gut ab. Fast jede dritte Führungsposition in ostdeutschen Unternehmen ist weiblich besetzt, bundesweit ist es nur fast jede vierte.

Gewiss scheint in diesen Zahlen noch die traditionell hö­­here Präsenz der Frauen im Beruf auf. Die DDR hatte aus Mangel an Arbeitskräften früh auf das Arbeitskräftepotenzial der Frauen gesetzt. Die Kinderbetreuung diente – das darf man nicht vergessen – auch dem Zweck, möglichst früh Einfluss auf die Erziehung zu nehmen. Zur Wiedervereinigung war der Anteil der Frauen in Vollzeit-Erwerbstätigkeit im West-Ost-Vergleich deutlich höher. Frauen waren zudem in vielen Bereichen, etwa technischen Berufen, zu finden, die im Westen reine Männerdomänen waren.

Zugleich waren gerade für Frauen die wirtschaftlichen Umbrüche der 90er-Jahre mit bitteren Erfahrungen verknüpft: Viele verloren trotz guter Qualifikation ihren Arbeitsplatz. Gut vorstellbar, dass Erinnerungen dieser Art sich den Töchtern vererbt haben. Dieses Bewusstsein gemeinsam mit dem gleichwohl vorhandenen Selbstbewusstsein der jüngeren Frauen mag die Vorreiterrolle erklären, die die ostdeutschen Unternehmen in puncto Frauen einnehmen.

30 Prozent Führungsfrauen ist eine gute Zahl, aber kein Grund zum Zurücklehnen. Da Frauen die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, bleibt noch einiges zu tun. Weibliche Führungskräfte werden es z. B. so lange deutlich schwerer haben, wie es Vorstandsmitgliedern von Aktiengesellschaften nicht möglich ist, Elternzeit und Mutterschutz zu nehmen und parallel ihr Amt fortzuführen.

Die besagte Studie unterscheidet nicht nach der Mit­arbeiterzahl. Wir brauchen im Osten aber überhaupt größere Unternehmen mit Frauen und Männern in Führungsverantwortung. Dafür müssen un­­sere kleinen und mittel­ständischen Unternehmen wachsen können. Weniger Büro­kratie, Entlastung bei Steuern und Abgaben und mehr Tempo für Forschung, Digitalisierung und Infrastruktur sind deshalb das Gebot der Stunde.

*Mitglied des Deutschen Bundestages und Landesvorsitzende der FDP Brandenburg.